Tag 34 – Wandern am Strom

Noch bevor mein Wecker heute klingelte, hörte ich immer wieder kurze Regenschauer.
Als der Regen vorbei war, bin ich raus, mich fertig machen und Frühstück vorbereiten. Man kann es sich denken: Kaffee und Marmeladenbrote :-).
Nachdem ich dann soweit mit allem fertig war, bin ich gegen 8h los..reichlich gesättigt und mit ebenso viel Proviant erstmal in Sandalen los. Eigentlich wollte ich ja schon ne Stunde früher.. aber was soll's :-). Proviant und Stiefel machten sich auf den Schultern bemerkbar.
Das mit dem Anhalter war ja eine nette Idee im Buch, aber die ersten Kilometer waren das nur Schotterpisten, Wald- und Graswege – keine Autos. Vielleicht hätte ich einen anderen Weg nehmen müssen anstatt den GR10… Irgendwann kam ich an eine Landstraße, auf der ich aber schon wieder nach ca. 500 Metern abbiegen musste. Dann ging es auf einem schmalen asphaltierten Weg weiter einen Berg hoch, hier hätte ich zumindest theoretisch dreimal die Chance gehabt – bin aber jedes Mal erst in Sicherheit gesprungen, als die Autos von hinten plötzlich um die Kurve angebraust kamen. Naja, da der Weg eigentlich ansonsten gut zu laufen war, entschloss ich mich, diesen auch weiter zu laufen. Ausserdem hatte ich ja auch reichlich gefuttert. Irgendwann ging der Weg dann in einen Fußweg über, der ziemlich lange entlang eines Stroms den Berg hoch führte. Hin und wieder sah ich dort Angler. Als der Weg schwieriger wurde, wechselte ich in die Wanderstiefel, die weitgehend trocken waren. So kurz nach 11h, man glaubt es kaum, machte sich mein Bauch bemerkbar – also Päuschen am Strom. Mal schauen, was ich Schönes bekomme – da waren 2 Äpfel und 2 von 4 doppelte Brote aus dem Lunchpaket – einmal mit Schinken, einmal mit Käse, yam lecker :-). Und nach etwas Schokolade sah die Welt noch schöner aus 😉 und weiter ging's. Wieder an stark bemoosten Bäumen vorbei, die zum Kuscheln einluden 🙂 bis in ein sehr schönes Tal und weiter den Berg hoch, wo mir 3 Männer entgegen kamen, die gerade den Weg mit neuen / frischen Zeichen markierten, zu meinem Ziel, der Cabane d'Aula. Und in der "Schatztruhe" hier ist tatsächlich Kaffee, eine Mokkakanne und Gas :-), aber kein Brenner 😮 – es gibt einen Herd, der müsste aber erstmal befeuert werden….hmmm…
Als ich bei meiner Ankunft die Cabane fotografierte, war da Nebel im Hintergrund, später als ich nochmal draußen war, waren die Berge zu sehen :-). Sehr schön hier :-).

35. Tag

Gestern Abend gab es noch Pferdebesuch :-). Es waren auch noch 3 Männer zum Übernachten in die Cabane gekommen.
In der Nacht hat es geregnet und es gab etwas Gewitter. Nach einem kurzen ersten Frühstück heute Morgen ging es erstmal gleich ordentlich in die Höhe. Beim Blick zurück sah ich, wie sich das Tal relativ schnell mit Wolken füllte.
Oben angekommen, gab es Frühstück Nr. 2 :-). Auch da kamen die Wolken plötzlich super schnell, waren kurz wieder weg und kamen wieder. Ich bin heute teilweise anstatt den Normalweg auf der Schotterpiste in Serpentinen runtergelaufen, war etwas länger aber dafür angenehmer zu gehen. Ich will meinen Bewegungsapparat etwas schonen. Heute habe ich als Etappenziel eine sehr schöne Gîte mit Bio Bauernhof angesteuert. Eigene Käserei, kleiner Lebensmittelverkauf mit offener Kasse….und leckerem kalten Apfelsaft :-). Hier gibt es auch diverse Tiere, ich habe schon Kühe, Ziegen, Hühner und eine Gans gesehen.
Das Ganze wird von einem Deutschen und einem Niederländer betrieben. Ein klein bisschen Internetempfang habe ich hier auch:-). Es kam hier gerade noch eine ältere Dame aus Deutschland an, die einen Teil des GR10 läuft. Sie ist 71 Jahre alt und kommt aus dem Allgäu, habe ich dann noch erfahren.
Gerade wird im Garten für das Abendessen "eingekauft", wird wohl sehr gesund werden 😉 – ich werde berichten…

Nachtrag zum 35. Tag

Ich sag nur: Hammer-Essen! 🙂
Die andere Dame aus Deutschland und ich waren alleine und hatten unser Dinner auf der Terrasse mit schönem Ausblick 🙂 20h bis fast 21.30h – und was soll ich sagen – ein 4-Gänge Menü der Extraklasse – das Beste, was mir bisher auf dem GR10 aufgetischt wurde. Super Qualität und reichlich, hohes Restaurant – Niveau.

3. August – 36. Tag

Als einzige Gäste haben Chlodette (schreibt man das so?), die ältere Dame aus dem Allgäu, und ich, nach dem gestrigen Abendessen, auch das heutige Frühstück voll auskosten können. Selbstgemachte Butter, Marmelade und Käse, Milch – hoffentlich von eigenen Kühen, Joghurt – nicht selbst gemacht, Brot – wohl auch nicht selbst gemacht, aber dafür sehr lecker und noch warm und schön knusprig, Müsli und natürlich Kaffee und Tee. Und 38 Euro für alles zusammen – bestes Preis-Leistungsverhältnis.
Gestartet sind wir dann zusammen gegen viertel vor 8h von 960 Höhenmeter zum Col de La Serra du Cot auf 1546 Meter Höhe. War ein ziemlich steiler Aufstieg. Wir kamen durch Wälder, in denen plötzlich Ruinen auftauchten, schätze ehemalige Höfe oder kleine Siedlungen.
Vom Col aus sind wir jeder für sich dann wieder weitergegangen Richtung Saint-Lizier d’Ustou runter auf 742 Höhenmeter, wo wir uns wieder trafen und bei einem kleinen Lebensmittelverkauf bei Campingplatz etwas Proviant kauften. Morgen ist Sonntag, aber glücklicherweise hat in dem Zielort der Lebensmittelladen geöffnet. Für die kommenden Etappen muss ich nämlich vorkaufen. Nach dem Einkauf ist wieder jeder für sich losgezogen, wieder relativ steil aufwärts, wir trafen uns dann nochmal bei einem Abzweig (1000 Höhenmeter) zu einer Unterkunft, die wir beide für heute ansteuern wollten (wir haben übrigens den gleichen GR10 Führer). Am Abzweig sah ich, dass die Unterkunft 40 Minuten den Berg runter vom GR10 entfernt war. Morgen müsste man den Weg dann wieder aufsteigen. Ich überlegte und entschied mich weiter zu laufen und irgendwo zu zelten, da dann erstmal keine Unterkunft kommt. Ich sah, dass es laut Buch auf dem übernächsten Col (Pass) eine Gastronomie gibt, die bis 16h geöffnet hat und da gibt’s Hamburger – ich habe ihn schon vor mir gesehen, zumal ich, man lese und staune, seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte und es war schon um Mittag. Ich habe es mir kurz durchgerechnet – so 15/15.30h nach den vorliegenden Angaben. Also los zum ersten Col rauf auf 1387 Meter (teilweise hatte ich das Gefühl, ich müsste bald auf allen Vieren hochkrabbeln) und weiter auf 1618 Meter zum zweiten Col und der Auberge – ich wusste schon genau was ich wollte,  Hamburger,  Fritten und vielleicht eine Orangina 🙂 Doch Fehlanzeige – man gab mir zu verstehen,  dass es schon kurz nach 15h ist und es kein Essen mehr gibt – nur Kuchen :-(.  Nee.. ich wollte für meine zweite Tages-Mahlzeit schon was Richtiges. Also Selbstversorgung heute, habe ja genug. Und zelten werde ich in der Nähe der Auberge. Hier stehen schon einige Zelte,  eine Privatveranstaltung eines Astrologievereins – und die haben richtig große Teleskope dabei – keine Ahnung,  was es heute zu bestaunen gibt.

Schwierige Wegstrecke am 37. Tag

Letzte Nacht war hier einiges los, es kamen noch weitere Menschen zu der privaten Veranstaltung. Die meisten fuhren abends wieder weg, einige blieben und schliefen dort in Zelten und Autos.
Nach einem schnellen Frühstück mit Knäckebrot und Marmelade, ging’s für mich gegen viertel nach 7h los. Den Anfang der heutigen Etappe bin ich gestern ja spontan schon gelaufen. Geplant war es nicht, sondern eher die relativ lange Etappe zu kürzen, um am Zielort einiges erledigen zu können und auch um die Beine nicht, bei einem ziemlich anspruchsvollen Teilstück der Etappe, zu überlasten. Im Buch wurde ein Teil der Etappe als schwierig beschrieben und empfohlen diese bei Nässe nicht zu gehen, da man schon bei trockenen Verhältnissen gut aufpassen muss. Es wurden zwei Abkürzungen angegeben, von denen ich dann eine nehmen wollte. Da ich aber nun schon gestern den Anfang der Etappe hinter mich gebracht hatte, machte mir die Zeit weniger Sorgen, eher die Wegbeschreibung. Beim Loslaufen dachte ich mir, erstmal zum ersten, ggf. bis zum zweiten Abzweig für eine Abkürzung und dann schauen. Das Wetter war herrlich, wolkenlos. Und ich wollte die Etappe heute eigentlich möglichst komplett gehen, weil man dann auch zum Wasserfall Cascade d’Ars kommt.
Also dann los… an dem ersten Abzweig vorbei zum zweiten. Kurz überlegt und dann weiter auf dem GR10 und vorbei an dem Hinweisschild, wegen der möglichen Gefahr. Irgendwann kam mir ein Wanderer entgegen, mit dem ich ins Gespräch kam und fragte wie der weitere Weg sei. Er meinte bei einigen Stellen etwas aufpassen, ansonsten ok. Problematisch sei es wohl hauptsächlich bei Nässe. Beruhigter aber trotzdem vorsichtig und konzentriert ging es dann weiter und währenddessen kamen mit noch weitere Personen entgegen, meist mit leichtem oder gar keinem Gepäck. Ja, tatsächlich war mir dieser Teilabschnitt doch wohlgesonnen. Nichtsdestotrotz war es einer der bisher schwierigsten Pfade auf dem GR10, da es u. a. viel über Geröll und große Steine ging  sowieso hohe Trittthöhen zu bewältigen waren, dabei ging es meist rauf oder runter. Nachdem ich das Warnschild nun am anderen Ende des Gefahrenabschnittes erreicht hatte, ging es noch erleichterter weiter, der Weg war allerdings genauso bescheiden. Aber wie heißt es…der Weg ist wie er ist, nicht wie du ihn willst ;-).  Je weiter es nach unten ging, umso mehr Menschen kamen mir entgegen. Bald sah ich, dass die meisten Menschen wohl ein Plätzchen am Wasserfall bzw. dem Wasserstrom suchten, einige wollten aber auch noch weiter hoch zu einem See. Und wow… Ich muss immer wieder staunen, welche Wege die Menschen hier für ein Sonntagsspaziergang auf sich nehmen. An dem Strom war richtig viel los… mir waren das aber schon zu viel Menschen…
Irgendwann kam ich dann an meinem Etappenziel an, bin dort erst einkaufen gegangen -  wow, knapp 50 Euro (aber glücklicherweise Sonntags offen) – und habe dann den Campingplatz angesteuert. In den nächsten Tagen gibt es keine Geschäfte, nur mal Refuges oder Restaurants. Beim Etappenziel aus dem Buch für morgen gibt es kein Essen und die beiden darauffolgenden Etappenziele sind unbewirtschaftete Cabanes. Ähnlich geht es dann erstmal weiter. Ich werde die Etappen evtl. anders laufen. Auf jeden Fall, schaue ich, was ich unterwegs an Sandwiches & Co ergattern kann. Erstmal habe ich ja Proviant, aber absichtlich nicht so viel, dass ich morgen gleich zusammenbreche (hoffe ich). Ich denke, es ist für mich besser, wenn ich weniger Essen mitschleppe und schaue, was ich unterwegs noch so bekomme. Anstatt unter dem Gewicht von mehr Essen schlapp zu machen oder mich zu quälen. Eigentlich habe ich noch Essen, dass ich für heute eingekauft hatte, bin aber eigentlich schon durch ;-). Soviel nochmal zum Thema „hungrig einkaufen“. Naja – vielleicht geht später noch ein bisschen was ;-). Ach nee, ich habe jetzt das eine Fertigessen, was ich aus der Kühltheke hatte, hier auf dem Campingplatz in den Froster geschmissen, das werde ich dann morgen irgendwann essen. So, bald ist Bettchen-Zeit :-). Morgen wird es wohl an die 30 Grad.

38. Tag – Biwak unter dem Himmelszelt

Wecken um 5.45 Uhr, langsam wach werden :-). Die Handwäsche-Klamotten von gestern waren noch nicht trocken – also Wechselsachen angezogen. Frühstück mit Kaffee (ich hatte ein paar Portionen Instantkaffee bei der Gîte mit dem Bio-Bauernhof gekauft, warmes Wasser gab es in der Waschküche des Campingplatzes), Nutella (in dem Lebensmittelladen gestern gab es Minigläser), Baguette, Schokomüsli und 1 Liter Milch. Das gefrorene Fertigessen fungierte auch gleichzeitig noch als Kühlakku – für Baguettes und vor allem Schokolade – letzteres ist, zumindest für mich, wichtig bei so einer Unternehmung :-). Bis ich dann mit allem fertig war, war es schon 7.30h und bis ich am Startpunkt war (der Campingplatz liegt am Ortseingang), war es schon 7.45h. Es ging im Gelenkschonenden Schneckentempo mit dem ganzen Proviant auf die Reise. Raus aus dem Ort an einer Infotafel zu Braunbären (Verhalten,  etc.) Anfangs durch einen Wald, was sehr schön war, irgendwie Energiespendend und harmonisierend, es haben sich sogar ein paar Bäume von mir drücken lassen :-D. Dann weiter Schattenlos um ca. 1100 Höhenmeter nach oben auf 1933 Meter Höhe und im Anschluss zu einem am See gelegenen Refuge. Ein sehr schönes Tal mit einer ganzen Seengruppe). Im Refuge habe ich ein Sandwich gekauft und eines meiner gestern gemachten gegessen. Danach weiter – auf dem Plan standen noch 3,5-4 Std. Gehzeit. Es ging vorbei an den ersten beiden Seen, am dritten habe ich dann spontan entschieden – Schluss für heute. Es war so 16h und ich hatte vermutlich noch 2,5-3 Std. vor mir und der Akku war schon ziemlich leer. Eigentlich war geplant die heutige Etappe zu Ende zu gehen, da morgen auch wieder eine längerer Tag angesagt ist….aber es kommt dann auch wieder ein kurzer… ich versuche die Stunden relativ gleichmäßig auf die Tage aufzuteilen. Mal schauen. Auf jeden Fall bin ich dann mal ins kühle Nass gesprungen, habe mein Zelt und paar Klamotten noch etwas zum Trocknen ausgelegt und was gegessen. Ich habe vor heute unter freiem Himmel zu schlafen. Speziell für dat Triinchen gibt’s noch ein Wolkenfoto ;-).

Wunderschöner Sonnenaufgang am 39. Tag

Interessanter Abend / interessante Nacht. Ich wollte ja gestern spontan unter freiem Himmel schlafen. Ich habe mir ein Plätzchen am See ca. 20 Meter vom GR10 auf einem Steinboden, etwas versteckt hinter einem großen Stein, ausgesucht – nicht gerade, aber ok für eine Nacht. Etwas entfernt am rechten seitlichen Ufer des Sees konnte ich 3 Zelte sehen und Personen die dort herumliefen.
Irgendwann fing ich dann an mich Bettfertig zu machen und schlüpfte warm angezogen in den Schlafsack und beobachtete wie sich die Wolken in das Tal schoben, bis der Himmel weiß und auch ein Teil der Berge verdeckt war. Als die Dämmerung einsetze, spürte ich hin und wieder ganz feine Tropfen. Hmm…sollte es heute Nacht regnen? Ich holte sicherheitshalber die Zeltplane raus und legte sie über den Schlafsack und die Schuhe. Es war teilweise windig, ich schlief ein und wurde als es schon ziemlich dunkel war wieder wach – es war ziemlich warm – vermutlich wirkte die Wolkendecke tatsächlich wie eine Decke und hielt die vom Boden abstrahlende Wärme darunter fest. Naja – besser mal alles anlassen, dachte ich, wer weiß wie kalt es noch wird. Irgendwann hörte ich Pfeifen und Stimmen…immer mal wieder… sie kamen von der anderen Uferseite. Dann nach einiger Zeit sah ich ziemlich starke Lichter, wohl Taschen- oder Kopflampen, sich bewegen… sie kamen in meine Richtung den GR10 entlang und leuchteten hin und her….sie suchten jemanden? Die Lichter waren sehr stark, so dass man ihren Leuchtkegel auch auf der anderen Seeseite sehen konnte. Sie liefen an mir vorbei und weiter am See entlang. Nach einiger Zeit kamen sie wieder zurück. Nachdem das ganze Spektakel vorbei war, konnte ich irgendwann wieder schlafen und wachte erneut gegen 2.30h auf und blickte in einen nahezu wolkenlosen schönen Sternenhimmel. Wie hypnotisiert starrte ich nach oben und merkte, dass es auch schon deutlich kühler geworden war. Dann sah ich Sternschnuppen 🙂 – immer mal wieder eine – sehr schön :-). Nach einiger Zeit schlief ich dann wieder ein und wurde zwischendurch noch ein paar Mal kurz wach. Um 5h klingelte dann der Wecker. Geregnet hatte es nicht, es hatte sich nachts nur etwas Kondenswasser unter der Zeltplane gebildet. Ich hatte sie dann einfach gedreht. Nachdem ich mich dann zum Aufstehen bewegen konnte, gab's erstmal Frühstück – Müsli. Es war schon nicht mehr so dunkel. Nach dem Essen habe ich dann alles zusammengepackt und bin gegen 6.20h losgezogen…seeehr langsam… muss ja erstmal wach werden. Es gibt sicherlich viele schöne Momente, die ich verpasst habe, weil ich nicht zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle war. Heute Morgen hatte ich einen Glücksmoment und durfte einen Sonnenaufgang über den Wolken miterleben – wunderschön :-).
Jede Menge Fotos später setzte ich meinen Abstieg fort und fand immer weitere Perspektiven, die Wolkendecke mit Sonne zu fotografieren ;-). Ich bin froh, dass ich die Etappe gestern nicht zu Ende gegangen bin – ich habe dafür heute 3 Stunden gebraucht und adäquate Schlafplätze sind mir unterwegs keine aufgefallen. Ich hatte mir eigentlich erhofft, noch einen Kaffee oder besser noch Frühstück nach den 3 Stunden bei der Gîte zu bekommen, aber war nix, zu – also Selbstversorgung und dann weiter. Lief irgendwie schwer und träge und es war auch wieder ein heißer Tag. Mittags kam ich an eine Cabane – yes – rein, auf den Schlafboden hoch und erstmal runtergekühlt und ein Mittagsschläfchen genommen – ich war ziemlich schlapp und müde. Nach ca. 1,5 Std. ging es weiter. Ich kam zu einem Abzweig mit einem Schild auf dem 4 Stunden bis zum heutigen Endziel angegeben waren – allerdings war das nicht der reguläre Weg sondern schon die Abkürzung, die auch im Buch beschrieben war, und es war auch schon 15h. Ich ging erstmal ein paar Meter in die Richtung aufwärts…nee… Wahrscheinlich mindestens 19h, bis ich am Zielort bin? Ich habe nochmal in die Karte auf den Smartphone geschaut und entschieden zum Abzweig zurückzugehen und dann weiter einen ganz anderen Weg, der kürzer war und auch weniger Höhenmeter hat – und mal abseits vom GR10 zu gehen, war auch reizvoll. Faulsack Sandro – erst Nickerchen machen und dann auch noch abkürzen :-D. Tja…also dann los….und ca. 2 Std. später traf ich am Ziel bei der Gîte ein – Halbpension und Lunchpakete gebucht. Waren dann heute immer noch 9 Stunden ohne Mittagspäuschen. Ich finde gerade die 8. und 9. Stunde und darüber hinaus machen sich meist deutlich bemerkbar. Hängt natürlich auch vom Weg und dem Rucksack-Gewicht ab.
Das Abendessen in der Gîte war schon mal sehr lecker. Es gab da auch kurzen Besuch :-). Die morgige Etappe nach Siguer ist relativ kurz, evtl. nehme ich ein Stück von der nächsten mit dazu, z. B. zum nächsten Pass, und Zelte irgendwo – je nach körperlicher Verfassung morgen nach der Pflichtetappe.
So, auf jetzt… Schlafenszeit ;-).

Heftig Energiegeladener Sandro am 40. Tag

Bestes Frühstück bisher! Warme Croissants! Brioche! Toast, Baguette, Müsli, Eier, Obst, natürlich Kaffee….etc. Ich wollte da gar nicht mehr weg 😉 Aber musste mich irgendwann losreißen, habe noch meine beiden Lunchpakete verstaut und dann ging’s los, mit Chlodette, die gestern schon hier war, als ich kam und eigentlich Clodhilde heißt ;-), und  mit Cedrik, einem Franzosen – es war so viertel vor 8. Gestern, ich glaube es war 18h, und heute Morgen spielten die Kirchglocken eine Melodie – war sehr schön. Cedrike klagte unterwegs über Knieschmerzen, Clodhilde hat ihn mit Schmerztabletten und ich mit Salbe und später vorübergehend mit einer Bandage versorgt. Die planmäßige Etappe für heute schlossen wir gegen Mittag ab. Clodhilde und Cedrik blieben am Etappenziel, Cedrik hat Kontakt zu einem Arzt im Ruhestand aus dem Ort aufnehmen können. Ich war allerdings körperlich und mental noch voll solcher Energie, dass ich diese nicht einfach verpuffen lassen wollte. Nach einer kurzen Pause bin ich weiter, mit dem Ziel die nächste (schlechtere und evtl. ohne Betten) oder die dritte Cabane auf dem Weg anzusteuern – Zeit laut Buch zwischen 5 und 6 Stunden. Also weiter ging’s wie ein Duracell-Hase…läuft und läuft und läuft, ich habe mich gefreut, dass es heute so gut lief… vor allem auch gegenüber gestern… könnte immer so laufen….trotz Zusatzproviant, ordentlich Höhenmeter und verstrichener Zeit, bin ich voll motiviert nach oben geprescht…ich war selbst erstaunt….bis es kurz nach 15h war…dann kam das Tief… plötzlich und mit voller Power, dass ich an einem Pass schon nach einer Zeltmöglichkeit suchte. War aber nicht so toll. Auf jeden Fall fehlte Energie, also erstmal hinsetzen, was essen und dann weiterschauen. Das zweite Baguette, welches ich mir in Aulus-les-Bains gemacht hatte und einen Couscous-Salat sowie einen Joghurt aus dem heutigen Lunchpaket. Dann überlegt.. ok..mal weiter laufen, die erste Cabane müsste zu schaffen sein. Mit deutlich weniger Energie ging es weiter aufwärts…es wurde wolkig.. entfernt vor mir hörte ich Gewitter… Mein erster Gedanke war, hoffentlich laufe ich da nicht rein oder es kommt in meine Richtung…ich war ziemlich weit oben und auf dem Weg zu einer Spitze und lief auf einer Wiese. Sah aber noch gut aus, die erste Cabane sollte nicht mehr so weit sein. Um mich herum Nebel,  aber die Markierungen waren noch zu erkennen und ich hatte auch noch die Navigation. Irgendwann war ich bei einer Spitze auf ca. 1800 Metern angekommen, leider null Weitblick durch den Nebel – schade. Ich lief weiter, bald ging es abwärts und schon bald trat wieder einer der Naturereignisse ein, die mich immer wieder verblüffen. In Sekundenschnelle verschwand der Nebelvorhang vor meinen Augen und enthüllte direkt vor mir ein fantastisches Landschafts-Panorama in vollen Farben und Breitbild-Format :-). Einfach nur sehr bewegend und mit Worten schwer zu beschreiben. Das gab nochmal einen Motivationsschub um weiter aufzusteigen,  an der ersten Cabane vorbei auf 1900 Meter Höhe rauf. Dann ging’s wieder runter, bei der zweiten Cabane kurz reingeschaut und dann weiter zur dritten Cabane und meinem finalen Endziel für heute – geschafft, es war kurz nach 18h. Die Cabane verfügt über einen kleinen Verkaufsschrank, das Geld wird in eine verschlossene Kasse geworfen. Momentan ist noch ein bekannter Wanderer hier sowie eine Wanderin, die einen Teil des GR10 in die andere Richtung läuft.

Nicht mehr so Energiegeladener Sandro am 41. Tag

Heute Nacht hatte ich den Eindruck gehabt, Kirchglocken leuten ständig. Aber das war die Kuhherde :-).
Und heute Morgen ging's schön weiter, die Herde befand sich gerade bei der Cabane und machte große Augen als ich vor die Tür trat.
Trotz großem Müsli-Frühstück bin ich heute eher träge vorangekommen – aber wenigstens angekommen und heil 🙂 im Angaka Village Nordique. Hier kann man in der Jurte, im Tipi oder im Inuitzelt schlafen – ich werde aber im eigenen Zelt schlafen. Im Winter bieten sie hier auch Schlittenhundefahrten an. So eine gute halbe Stunde nachdem ich heute losgelaufen bin, kam ich auf einen Waldpfad auf der eine Kuh stand und eine ganze Herde hinter ihr her kam, wie ich bald feststellte. Die Kühe standen da und schauten mich an. Da auch Jungtiere dabei waren, wollte ich nicht näher auf sie zugehen und bin mal einige Meter zur Seite. Dann stellte ich fest, das war genau richtig. Die Herde setzte sich in Bewegung und stieg weiter durch den Wald auf – vermutlich täglicher morgendlicher Prozess um zu einer Weide zu kommen. Heute war's mal wieder ordentlich heiss. Ich habe mir ein Mittagspäuschen im schattigen Wald gegönnt, dann ging es weiter aufwärts mit vielen kurzen Stehpausen. Am Zielort angekommen gab es erstmal ein großes Eis :-).

42. Tag – Entspannt angefangen, dann Action

Ich kann es immer noch nicht glauben. Gestern las ich Clodhildes Namen an einem Zelteingang. Und als ich beim Abendessen war, so zwischen 19 und 19.30h ist sie tatsächlich eingelaufen – und so, als ob sie gerade von einem Spaziergang gekommen wäre. Die Strecke, die ich in den letzten 2 Tagen gelaufen bin, ist sie a einem Tag gelaufen und noch mehr, da sie sich verlaufen hatte. Auch wenn sie einen leichteren Rucksack hat und sie das Bersteigen gewohnt ist, ist das für mich eine enorme Leistung und ich ziehe mehrmals den Hut vor ihr. Respekt!
Das Abendessen gestern war lecker, es kam vom Restaurant nebenan. Wie meistens, 3 Gänge. Es gab Salat, Schinken, Melone, etc. als Vorspeise, Hauptgang war Ente und Gemüse, und Nachspeise war ein Teilchen mit Apfelfüllung. Frühstück war auch gut. Ich habe mir dann heute Morgen im Restaurant noch 2 Baguette-Sandwiches und eins von den Teilchen gekauft. Als ich losgelaufen bin, kam gerade eine Herde Kühe auf das Plateau ans Restaurant gelaufen, da war wohl auch ein Männchen dabei.
Heute war mal ein Tag bei dem es nicht gleich nach dem Frühstück einen Kräftezehrenden Auf- oder Abstieg gab – es ging erstmal entspannt eine Schotterpiste gemächlich aufwärts – das habe ich sehr genossen.. es war auch noch nicht so heiß… einfach schön, so in den Tag zu laufen.
Irgendwann ging es aber dann doch zur Sache… Aufstieg auf fast 2400 Meter, teils über sehr schmale, etwas schwierigere Pfade an Berghängen mit Kletterpartien. Dann kam ausgerechnet ein heftiger Wind auf – auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite musste man aufpassen, dass man nicht weggepustet wurde. Wenn ich meinen Kopf in den Wind drehte, wurde ich Zwangsbeatmet :-). Da es heute eine relativ kurze Etappe war, kam ich nach ca. 6 Stunden am Zielort, dem Refuge du Rulhe, an. Es ist immer noch heftiger Wind, aber ich werde heute trotzdem zelten, es gibt auch noch andere Zelte hier. Als Abendessen gibt es heute Dosenfutter und als Frühstück auch Selbstversorgung.
Internetempfang gibt es hier keinen, deswegen geht die Email dann morgen raus.