53. Tag – Blick auf’s Mittelmeer

Die Küche der Gîte war gut ausgestattet. Ich hatte 2 Fertiggerichte für das Abendessen dabei, die ich im Wasserbad warm machte – Lasagne und Nudeln mit Tunfisch-Tomatensoße – beides gut. Als Nachtisch gab's noch Schokoküchelchen. Abends und auch in der Nacht hatte ich öfter Hundegebell in der Nähe gehört und gehofft, dass der GR10 heute nicht an diesen Hunden vorbeiführt.
Als ich nachts auf die Toilette musste, lag da der Hund der Besitzer vor dem Eingangsbereich innen. Sollte er Wache halten und würde er mich gleich anbellen? Eher unwahrscheinlich – also Augen zu und Tür auf – ein super braver Hund – alles gut 🙂 .
Da die Etappe heute mit über 9 Std. angegeben war, war ich schon früh beim Frühstück – Heißer Instantkaffee und Schokoküchelchen. Noch Baguettes für später belegt und dann kurz nach halb sieben los. Die Wetter App sagte Gewitter voraus, aber ich war mir mit der Region nicht sicher. Also auf jeden Fall mal auf die Tube drücken und möglichst schnell auf die hohen Cols und wieder runter kommen. Heute sah ich zum ersten Mal Wildschweine auf meiner Tour und Mutter Natur sei Dank, konnte ich heute ordentlich Brombeeren verspeisen und mit Beerenkraft voranschreiten. Ich hatte unterwegs nur ein halbes Baguette gebraucht. Es ging viel durch Wälder, insgesamt knapp 1200 Höhenmeter hoch und fast 1300 Höhenmeter runter.
Irgendwann am Vormittag – ich musste mehrmals hinschauen – war da nach ca. 880 Km am 53. Tag das ersehnte Ziel vor Augen, scheinbar in greifbarer Nähe – das Mittelmeer – noch ca. 50 Km entfernt – wow, was für ein Anblick, was für ein Gefühl. Im Höhenflug ging es weiter, ich musste aufpassen, dass ich nicht vor Übermut anfing zu joggen 🙂 .
Gewitter gab es keins, stellenweise war es ziemlich windig und kühl, im allgemeinen bewölkt und gut zum Wandern. Insgesamt hatte ich heute wenige und kurze Pausen und kam vor der kalkulierten Zeit am Zielort an. Hier gibt es ein öffentliches Areal auf dem man zelten darf. Abendessen und Frühstück gibt es im örtlichen Hotel, da werde ich dann morgen noch ein Picknick-Paket mitnehmen. Morgen stehen über 24 Km auf dem Plan, laut Buch 8,5 Std. Gehzeit. Da ich im Hotel frühstücken werde, komme ich nicht so früh los wie heute, Frühstück ist voraussichtlich erst ab 7h möglich.

54. Tag – vorletzter Tag

Nach einer ziemlich windigen Nacht und einem überschaubaren Frühstück ging es gegen 7.30 Uhr auf Tour – erstmal über die Straße. Zwischenziel war der Touristenort Le Perthus – angegeben mit 5,25 Std. Gehzeit. Es lief ziemlich gut, vielleicht weil ich auch zunächst in Sandalen gewandert bin – eine Wohltat für die Füße. In Le Perthus war ich dann ca. 1 Std. früher und habe mir erstmal einen kulinarischen Überblick verschafft – einiges war noch geschlossen. Schnell habe ich was Passendes gefunden – Burger – Pommes – Softgetränk Kombi – passt. Als ich damit fertig war, präsentierte mir die Bedienung die Rechnung – vermutlich hatte sie Schichtwechsel, dachte ich wäre fertig und wollte abkassieren. Falsch gedacht – nach kurzem Verständigungsproblem war dann klar, dass ich nochmal das Gleiche wollte, was sie sichtlich verwunderte. Aber im Buch stand, man sollte sich in dem Ort für den folgenden Aufstieg stärken – und ich fühlte mich noch nicht stark 🙂 . Gut – die zweite Runde hat das nicht wesentlich geändert – aber ich war dann wenigstens definitiv satt 🙂 . Bevor ich gegangen bin, habe ich noch ein Baguette – Sandwich togo bestellt – man weiß ja nie – falls der kleine Hunger kommt 😉 . Hatte zwar noch das Picknick-Paket vom Hotel, aber das ist auch noch für morgen gut. Also schnell raus aus diesem Ort, indem mir zu viel Trubel herrschte. Ziemlich voll machte ich mich dann an den Aufstieg. Heute gab es sehr viele Brombeer-Sträucher, und so habe ich mich zwischendurch immer wieder mal mit Beerenkraft versorgt. Nachmittags wurde es sehr heiß und der Weg verlief teilweise Schattenlos, insgesamt aber aushaltbar bis zum Etappenziel gegen 16h. Am Col de l'Ouillat gibt es eine Gite – ich werde aber zelten und heute und morgen Früh ist Selbstversorgung angesagt. Ich möchte morgen möglichst früh starten, wegen der Hitze und um auch möglichst früh in Banyuls anzukommen – im Buch sind knapp 9 Std. Gehzeit angegeben. Um mein Zeltplatz herum gibt es auch seeeehr viele Brombeer-Sträucher, viele Brombeeren sind noch gar nicht reif – in wenigen Wochen ist das hier ein Schlaraffenland 🙂 .
So, werde bald ins Säckchen hüpfen, bin schon müde um kurz nach 19h.
Wow… morgen werde ich wohl endlich am Meer ankommen…
Momentan sitze ich auf der Terrasse der Gîte und schaue mir nochmal die Berge an…..

55. Tag – Ankunft in Banyuls-sur-Mer am Mittelmeer

Nach einem kurzen und Zuckerreichen Zeltfrühstück bin ich gegen halb Sieben mit Stirnlampe losgezogen. Auf zum höchsten Punkt der letzten Etappe. Die Stirnlampe konnte ich schon bald wieder wegpacken. Heute standen 23 Km auf dem Plan, die ich in Sandalen gelaufen bin – Freiheit für die Füße 🙂 . Nicht für die ganze Strecke die beste Wahl, aber ich habe das dann einfach weiter durchgezogen. Der Grossteil der Etappe war von starkem Wind begleitet, ich hatte teilweise Mühe das Gleichgewicht zu behalten, so wurde ich hin und her gerüttelt 🙂 . Vormittags war es auch noch kalt, also habe ich die Regenjacke als Wind- und Kälteschutz angezogen. Trotzdem, für zum Laufen war das Wetter besser als bei Hitze.
Vom höchsten Punkt der Etappe hat man das Meer schon in deutlichen Ausmaßen und voller Pracht sehen können – wow, wie schön.
Weiter ging’s – ich hoffte, bei der letzten Etappe würde es nicht mehr soviel Auf’s und Ab’s geben – gab’s aber, Augen zu und durch 🙂 . Heute gab es viele Meerfotos 🙂 . Nachmittags ließ der Wind nach und die Sonne knallte auf mich nieder. Aber ich war gut in der Zeit und kam so gegen 15.30h in Banyuls an. Dort ging es zum Endpunkt, dem Mosaik am Rathaus, und dann schnurstracks zum Strand, um ins Meer zu springen 🙂 .
Nach der Abkühlung habe ich den Campingplatz angesteuert. Hier werde ich bis 26.8. bleiben, da geht’s früh morgens los auf die Heimreise. Ich werde also noch ein paar Tage berichten 🙂 .
Ich bin sehr glücklich, die Strecke nun beim zweiten Anlauf geschafft zu haben. Ca. 930 Km, ca. 56.000 Höhenmeter, in 55 Tagen – vom Atlantik bis zum Mittelmeer, bis auf eine Talfahrt mit der Bergbahn, komplett durchgelaufen. Nicht der Schnellste, aber ich hatte ja auch andere Prioritäten 😉 . Es war von Anfang bis Ende ein eindrucksvolles Erlebnis in einer wunderschönen und vielfältigen Umgebung. Gerne hätte ich an vielen schönen Stellen viel länger verweilt. Ich muss einfach wieder kommen, ohne festes Ziel, einfach treiben lassen….
Vielen Dank GR10, dass du mich ge- und ertragen hast 🙂 .
Und auch vielen Dank an die lieben Menschen, die mich in Gedanken begleitet und mir durch ihre Kommentare Gesellschaft geleistet haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut 🙂 .

23.8. – in Banyuls

Nachdem der Supermarkt gegenüber des Campingplatzes gestern Abend um 20h geschlossen hatte und heute Morgen erst um 9h aufmachte, gab es gestern Pizza und heute Morgen Frühstück, beides in der Gastronomie des Campingplatzes.
Danach ging's ins Meer 🙂 und danach? Richtig, essen…. essen…. essen… hier gibt es soviel davon im Gegensatz zum GR10, das muss ich doch ausnutzen 😉 . Dann hatte ich ein zweistündiges Treffen mit Fuat Gören, dem Autor meines GR10 Führers.
Heute und Morgen ist wohl ein Festival in Banyuls – Absperrungen, Bühnen, Autoschlangen in die Stadt…und die Party geht gerade los…die erste Gruppe spielt gerade nach ihrem Einmarsch.
Hmmm, mittlerweile ist es 20.30h und so richtig Fete war noch nicht, es gab 2 kurze Auftritte. Ob es das schon war oder es später weitergeht? Sieht für mich aus, als ob es leerer auf den Straßen wurde. Aber vielleicht essen die Meisten jetzt erstmal…. Ich war auf jeden Fall schon müde und bin zurück zum Campingplatz gelaufen und werde jetzt ins Säckchen hüpfen.

24.8. – in Banyuls

Letzte Nacht hatten Jugendliche in der Nähe des Campingplatzes ordentlich Krawall gemacht – ich hätte gerne mal gewusst, was die da veranstaltet haben. Zuerst laute Musik – ok. Dann hörte sich das aber so an, als ob die immer wieder gleichzeitig schreiend durch die Gegend rennen – ganz sonderbar. Irgendwann ist ein Zeltnachbar ausgerastet und hat sich mit den Jugendlichen verbal angelegt – aber die scheinten sich nur provoziert gefühlt zu haben und haben heftig Kontra gegeben. Da war was los. Der Nachbar war so verärgert, dass er immer wieder laut vor sich hin geschimpft hat. Ich bin von den ganzen Aktionen auch einige Male wach geworden. Hoffentlich ist es heute Nacht ruhiger. Gestern gab es anscheinend doch noch später eine Veranstaltung im Zentrum. Als ich heute Morgen hin lief, lag in einigen Straßen Konfetti rum. Heute Morgen würde auch schon einiges an Veranstaltungs-Equipment aufgebaut und es wurde auch schon auf einer Bühne gespielt. Ich denke, heute Abend geht es dann zur Sache.
Heute war wieder etwas schnorcheln angesagt, sonnen, relaxen und natürlich essen 🙂 . Das erste Frühstück gab es schon auf dem Campingplatz, mit frisch aufgebackenen Backwaren. Morgen ist mein letzter voller Tag hier, übermorgen Früh geht es auf die Heimreise.
Habe ich nicht ein kreatives Flicken-Design auf meinem Woll-Shirt? 😀 Durch die Schnallen gab es auf den beiden Shirt immer wieder kleine Löcher 🙁 .
Die haben gerade ein Floß mit irgendetwas drauf aus dem Hafen in die Bucht gezogen, aber ich kann nicht erkennen, was drauf ist.
😮 Hier läuft gerade das Militär Streife und auch Polizei und Gendarmerie. Auf der Hauptbühne spielt gerade eine Band.
So, die hatte erstmal nicht sehr lang gespielt. In der Bucht waren irgendwann dann 3 Flöße, das sah nach Feuerwerk aus. So war es dann auch, ziemlich genau um 22h war der erste Knall zu hören. Nach 15 Minuten war es vorbei und die Band spielte wieder.

25.8. In Banyuls

In der letzten Nacht war auch wieder Unruhe in der näheren Umgebung, vermutlich auf dem Campingplatz – war aber nicht so schlimm, wie die Nacht zuvor.
Das erste Frühstück hatte ich wieder auf dem Campingplatz, die Gastronomie öffnet um 8.30h, das Büro des Campingplatzes um 8h – ich habe schon für morgen ausgecheckt, da mein Zug schon kurz nach 7h abfährt.
Das zweite Frühstück, immerhin muss ich so knapp 15 Minuten laufen zum Zentrum 😉 -war dann in Strand-Sichtweite. Danach kurz zum Schnorcheln. Dabei konnte ich einer Flug- u. Rettungsübung der Marine zuschauen. Nach der Übung drehte der Hubschrauber Richtung Zentrum ab und landete – sah so aus, als ob in der Nähe des Campingplatzes, da gibt es ein Sportfeld nebendran. Anschließend war Sonnenbaden und Steintürmchen bauen am Strand angesagt. Das hat irgendwann natürlich wieder hungrig gemacht 😀 – also in einem der Lebensmittelläden (die haben hier heute auch auf) eingekauft, zur Promenade und Mittag gemacht. Anschließend noch etwas gebummelt und gechillt bis nachmittags. Dann habe ich mich schonmal von Meer, Strand und Berge verabschiedet und bin zum Campingplatz zurückgelaufen – noch eine Kleinigkeit im Supermarkt für morgen eingekauft und Vorbereitungen getroffen. Als ich an meinem Zelt ankam, sah ich tatsächlich den Hubschrauber auf dem Sportfeld stehen. Einige Zeit später hob er dann ab.
Jetzt sitze ich gerade in der Gastronomie des Campingplatzes und werde bald eine Pizza essen.
Leider war die Pizza nicht so gut wie die erste, die ich hier gegessen hatte, (die war z. B. mit frischen Champignons). Heute wollte ich die Kebap Pizza probieren – Das Fleisch machte den Eindruck irgendein Pressfleisch ohne besonderen Geschmack zu sein und die Soße, eine Art Salat Mayonnaise – anscheinend ein Fertigprodukt, hat es noch schlimmer gemacht – einer der schlechtesten Pizzen, die ich bisher hatte. Naja – Pech. Jetzt Zähne putzen und Heija 🙂

26.8. – Heimreise

Viertel vor Fünf klingelte der Wecker. Nachdem ich das Zelt abgebaut hatte, bin ich zu dem Waschraum, wo ich gestern Abend meine Powerbank zum Laden eingesteckt hatte – und sie war weg! 🙁 . Das hat mich schon ziemlich enttäuscht und wohl auch ein Stück misstrauischer gegenüber Menschen gemacht…Möglicherweise war es noch nicht mal ein Camper – die Leute, die den Campingplatz betreten, werden natürlich nicht kontrolliert.
Aber naja – hätte insgesamt auch schlimmer kommen können. Ich habe dann auf dem Campingplatz gefrühstückt, heißes Wasser für Kaffee kam aus dem Wasserhahn und Brioche und Marmelade hatte ich gestern im Supermarkt gekauft.
Gut in der Zeit ging es dann zum Bahnhof und mit einem Umstieg erstmal nach Toulouse. Das Frühstück auf dem Campingplatz hatte so lange angehalten, dass ich in Toulouse nicht noch einmal frühstücken konnte – schade 🙁 . Für Mittags hatte ich mir dann was in einem Lebensmittelladen gekauft und in einem Park verspeist. Anschließend ging es mit der Tram zum Flughafen. Dort hatte ich dann meinen Rucksack vor der Gepäckaufgabe mit 30 Meter Haushaltsfolie eingewickelt – super, dann auf zum Check-in. „Elektronische Geräte, E-Zigarette, Akkus im Rucksack“ fragte mich die nette Dame. Ja, 3 Akkus für die Actioncam. „Die sind nicht erlaubt!“ Argh…. Innerlich dezent geflucht und später auch äußerlich, habe ich die Folie aufgerissen und bin auf die Suche nach den Akkus gegangen und irgendwann auch fündig geworden. Die Mitarbeiterin hat mir freundlicherweise dann noch den Riss in der Folie, so gut wie es ging, geflickt. Wegen Gewitter um bzw. am Flughafen Frankfurt, hatte sich der Abflug um knapp 30 Minuten verzögert. Der Flieger hat aber wieder gut Zeit aufgeholt, Gepäck war auch schnell da……lief gut, so dass ich noch den Regionalexpress um 21.23h bekommen habe und dann gegen 22.15h in Bingen gut angekommen bin. 🙂

Herzlichen Dank nochmals an alle lieben Menschen, die mir auf meiner Reise in Gedanken und durch Kommentare Gesellschaft geleistet haben. 🙂

Fin.