Ereignisreicher 51. Tag

Zuerst nochmal zurück zu gestern – das Abendessen war lecker, als Hauptspeise gab es ein typisch katalanisches Gericht – Fleischbällchen in einer Soße mit Bohnen und allerlei anderen Zutaten.
Mein Zelt hatte ich ca. 100 Meter vom Refuge an einem schönen Plätzchen aufgeschlagen. Die Nacht und der Morgen waren teilweise sehr windig. Gegen 6.45h bin ich zum Refuge gelaufen – von meinem Zelt aus sah ich schon ein orangefarbenen Streifen am Horizont hinter dem Refuge. Ich ging zum Refuge auf die Toilette und schaute nach hinten durch das Fenster raus – wow – ich bin sofort zur Hinterseite des Refuges gestürmt…3-4 Personen saßen auf dem Boden und starrten gerade aus auf ein riesiges Wolkenmeer und den dahinter befindlichen gelb-rötlichen Horizont – die Sonne kündigte ihr Kommen an…es kamen noch mehr Leute aus dem Refuge um das Schauspiel mitzuerleben, als sich der rote Ball am Horizont zeigt und nach oben „schwebte“ und immer mehr Energie und Licht abstrahlte, bis man gar nicht mehr direkt hin schauen konnte – was für ein Anblick.
Aber das Universum war heute wieder mal sehr spendabel und setzte noch einen drauf 🙂 . Als Clodhilde und ich beim Frühstück saßen, kam ein Mann und sprach sie strahlend lächelnd auf deutsch an – er habe gehört, sie sei auch aus Deutschland. Er setzte sich zu uns und bemerkte, dass ich auch aus Deutschland komme. Es entstand direkt ein Dreiergespräch, indem er dann nach unseren Wanderführern fragte – Clodhilde und ich hatten ja die gleichen GR10 Führer – und wie sich dann alsbald rausstellte, saß der Autor in dem Moment bei gerade uns – der Mann war Fuat Gören, der den GR10 2017 gelaufen ist und daraufhin den Wanderführer „Pyrenäenweg GR10“ geschrieben hat, der 2018 beim Conrad Stein Verlag erschienen ist. Hammer – wenn hinter mir keine Wand gewesen wäre, wäre ich wohl von der Bank gefallen 🙂 . Fuat wollte heute auf den Canigou, so wie wir gestern hoch sind, 2017 hatte er eine der anderen Routen genommen. Ja – Gesprächsstoff gab es genug… Fragen von uns … von ihm…Erfahrungsberichte.. Anregungen.. Eigentlich wollte ich heute ja möglichst früh starten, um über das eigentliche Etappenziel hinauszulaufen (um den darauffolgenden Tag zu kürzen) – das war heute nämlich laut Buch nach ca. 5,5 Std. Gehzeit erreicht und der morgige Tag wären 8 Stunden Gehzeit. Aber bei so einem Treffen ist so schnell nicht an’s Loslaufen zu denken 🙂 . Irgendwann nach 8h – das Frühstück sollte nur bis 8h gehen und die meisten Wanderer waren auch schon weg – haben wir uns dann auch verabschiedet und Telefonnummern ausgetauscht – evtl. treffen wir uns nochmal in Banyuls. Und Fotos mussten natürlich auch sein 😉 .
Relativ spät ging es dann für uns los, vorbei an einem Flugzeugwrack auf einer Panoramareichen Strecke…und immer wieder dieses Wolkenmeer… keine Ahnung wieviel Wolkenfotos ich heute gemacht habe.. es lief schon mal ziemlich gut an, lag es am Müsli oder am Treffen… hmmm….
Irgendwann kamen wir zum Col de la Cirera – dort verabschiedete ich mich von Clodhilde, sie wollte da oben noch etwas bleiben, da morgen ihr letzter Tag ist und bis zu ihrem Etappenziel, dem Refuge de Batère, war es nur noch ca. 1 Std. Ich wollte dort nur ein Lunchpaket kaufen und wenigstens bis zur nächsten Nothütte, die ca. 1,5 Std. weiter lag, laufen. Das erhoffte Ziel, Arles-sur-Tech, war mir noch zu weit. Also los zum Refuge, das letzte Lunchpaket gekauft und auch noch eine Orangina getrunken… und auf einmal kam schon Clodhilde eingelaufen – es fing gerade an etwas zu regnen und Gewitter hörte man auch. Wir unterhielten uns noch etwas auf der Terrasse, dann hörte ich ein Geräusch von oben, das sich nach einem Kurzschluss-Knall anhörte, konnte es aber nicht zuordnen. Irgendwann rollte eine weiße Kugel auf die Terrasse – andere und ich schauten verwundert und konnten es im ersten Augenblick gar nicht zuordnen – als es dann jemand in die Hand nahm, war es klar – eine Hagelkugel…und bald darauf kam es runter….aber so richtig… der Wirt hatte das so noch nicht erlebt. Die Hagelkörner donnerte mit ordentlich Speed vom Himmel und knallten krachend auf. Also Zwangspause und ein Café au lait und Biskuits 🙂 . Irgendwann wandelte sich der Hagel in Regen und dann schien es aufzuhören. Also los – endlich, ich war schon über der geplanten Zeit. Sehr weit kam ich allerdings nicht – es fing an zu regnen, Gewitter kam auch wieder 🙁 . Zurück wollte ich nicht, also Regenjacke und Rucksack-Regenschutz an und mit gemischten Gefühlen weiter – 1,5 Std.? Hmmm.. Hätte ich besser auch die Regenhose angezogen…Regen und Gewitter kamen also wieder… Ich hoffte, wenigstens kein Hagel. Es ging überwiegend abwärts über dicht bewachsene Pfade und durch Mannshohe Farnfelder.. Hose nass… Schuhe nass…Strümpfe nass…aber das war in dem Moment zweitrangig. Ich legte einen Zahn zu und ging teilweise in leichtes Rennen über – glücklicherweise waren die Untergründe überwiegend nicht rutschig – aufgepasst hatte ich schon, aber die steinigen Untergründe z. B. waren meist schon ziemlich griffig. Hätte ich doch besser im Refuge bleiben sollen, habe ich mich unterwegs mehrmals gefragt…wenn ich nass bis auf die Unterwäsche in der Cabane ankomme und morgen ähnlich weiterlaufen soll…war es das wert bzw. richtig? 1,5 Std. das muss schneller gehen…. Brille nass und angelaufen, Smartphone lässt sich durch die Nässe schwer bedienen… aber ich komme gut voran…. vor dem Gewitter hatte ich schon Respekt… trotzdem hatte ich in der Umgebung, in der ich gerade unterwegs war, weniger Sorgen – wenn es so bliebe, fühlte ich mich zumindest schon etwas geschützt – auf jeden Fall weitaus mehr, als auf irgendeinem Bergplateau auf freiem Flur. Ich kam der Nothütte immer näher, bis ich dann endlich vor ihr stand. In einer verlassenen, seitlich offenen Minenhalle, gab es zwei für den Zweck genutzte Räume – passt, gut, reicht. Es gab sogar einen Kamin, also erstmal in der Halle nach Holz gesucht, Feuer gemacht und Klamotten getrocknet. Es ist jetzt ca. 20.30h es regnet immer noch bzw. immer wieder, genauso sieht es mit dem Gewitter aus. Das Feuer ist jetzt aus – es gibt nicht genug brauchbares Holz. Hoffe, dass die Klamotten morgen nicht mehr so feucht sind und es auch nicht mehr regnet. Das Gute an der nassen Hose ist, dass ich die eh mal möglichst bald waschen wollte – vermutlich hatte ich meinen Wunsch zu ungenau formuliert 😉 . Jetzt werde ich bald in den Schlafsack steigen. Kalt ist es nicht – eher angenehm.

4 Gedanken zu „Ereignisreicher 51. Tag“

  1. Hallo Sandro, das hast du alles so ergreifend geschrieben. Habe mich richtig fest gelesen. Wir sind gestern auch wieder Heim gekommen von der Nordsee. Einfach schön war es… Bis bald. Liebe Grüße Moni

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